Der Chor Nova Cantica begeisterte mit seinem Konzert "Ecce - Siehe" in der Dreifaltigkeitskirche in Wiesloch mit dem Magnificat von John Rutter
Perfekte Tonalität, die man nur vom Engelsgesang im Himmel erwarten darf
Martin Ritz begeisterte an zwei Abenden mit seinem Chor Nova Cantica
Der renommierte liturgische Chor „Nova Cantica“ der katholischen Augustinus-Gemeinde überzeugte im „Stabat Mater“ bereits vom ersten Taktschlag durch harmonischen Wohlklang in seinem gleich doppelt aufgeführten Konzert „Ecce Siehe“ in der Dreifaltigkeitskirche unter der Leitung Martin Ritz. Zu den 70 Sängerinnen und Sängern gesellte sich gekonnt das musikalische Ensemble „Operone“ sowie die famose Projektions- und Lichtinstallation von Finn Engelmann und Paul Winterstein.
Das „Stabat Mater“ ist eine Komposition für Chor und Orchester von Karl Jenkins und wurde 2008 in Liverpool uraufgeführte, sie beruht die auf dem gleichnamigen mittelalterlichen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert. Dabei sticht besonders der interkulturelle Ansatz hervor. Typisch für den walisischen Komponisten ist die Verschmelzung traditioneller westlicher Orchestermusik mit nahöstlichen Klängen. Aus den zwölf Sätzen der Komposition war eben dem ersten „Cantus lacrimosus“, welcher von einem hochemotionalen und zugleich melancholischen Grundton in stark homophoner Satztechnik geprägt war, auch der fünfte „Sancta Mater“ zu hören. Dieser gestaltete sich als erfrischend mitreißender Weckruf, der sich wiederkehrend hin zu einem famosen Hymnus entwickelte bis zu einem Paukenschlagende.
Im zweiten Konzertteil wurden die sieben Sätze des „Magnificats“ von John Rutter dargeboten. Der 1990 vollendete biblische Lobgesangs Mariens besticht durch seine typisch rutter-hafte farbenreiche Tonsprache, die klassische Kirchenmusik mit synkopierten, lebendigen Rhythmen der lateinamerikanischen Musik verbindet.
Den Anfangstönen der Querflöte folgend entfaltete Ritz mit seinem Chor den festlich-rhythmischen Einstieg zum „Magnificat anima mea“, einem Jubel an Festlichkeit wie man ihn in perfekter Tonalität und Freude wohl nur vom Engelsgesang im Himmel erwarten darf. Passend zur auf die Chorwand durch die Lichttechnik projizierte Rose folgte die sanfte choralartige Vertonung „Of a Rose“; nach und nach entstanden zu den fünf besungenen Zweigen der Königin der Blumen illuminierte Rosenzweige auf der Kassettendecke der Kirche. Eingeleitet von den Orgelklängen (Thomas Weidenmann) brillierte der Chor im getragenen, feierlichen sowie kraftvollen Sanctus „Quia fecit mihi magna“, wobei sich Adeline Drewer als erste Solistin gekonnt präsentierte. „Et misericordia“ wurde als zutiefst lyrisch-meditativer Satz dargeboten den Miriam Stelzer mit ihrem Mezzosopran als prominente Solistin einleitete, bevor der die Sängerinnen und Sänger im Wohlklang einstimmten und es dem musikalischen Leiter gelang aus dem Responsorium zwischen Chor und Mezzosopran-Solistin einen wahren Hymnus zu kreieren. Zaghaft fragend stimmten die Männerstimmen das „Fecit potentiam“ an, bevor aus der Frage dramatisch-dynamisch Nova Cantica voller rhythmischer Energie eine klare Aussage setzte. Solistin Stelzer führte im „Esurientes“ zurück zur Harmonie, welcher die Kantorei durch eine filigrane und fließende Melodieführung im Echo nachdenklich doch bereitwillig folgte. Zum feierlich-festlichen Höhepunkt im „Gloria Patri“ setzte zunächst die Chorgemeinschaft gemeinsam mit dem Orchester fulminant an bevor der Mezzosopran der Solistin ruhig und besonnen die Mutter Gottes hervorhieb; in die jubelnde Reprise brillierten sich die Sängerinnen und Sänger mitreisend und glanzvoll nach 60 Minuten ins Finale.
Chorsprecherin Petra Stadter gelang es die mythische Stimmung in passende Worte zu wandeln: „Es war der Wunsch unseres Chorleiters Martin Ritz die Mauern von Dreifaltigkeit zum Schwingen zu bringen. Ich denke ich spreche für alle Mitwirkenden und Konzertbesucher, wenn ich sage, dies ist gelungen!“ Sie blickte auf die zwölf-monatige Probezeit zurück, in der man miteinander gesungen und gerungen habe und bat auch die Zuhörer in diesen gesellschaftlich schweren Zeiten aufeinander zuzugehen, sich zuzuhören und gemeinsam in musikalische Schwingungen zu kommen. Im sich anschließenden RNZ-Gespräch gestand der ehemalige Organist und Chorleiter Dietmar Schüßler, als Konzertbesucher, welch großes Geschenk dieses Konzert gewesen sei: „Es ist große Freude, die wir als Zuhörer heute mit nach Hause nehmen können!“ Dem stimmte auch Sängerin Beate Ringel zu: „Ich schwebe heute nach Hause.“