Mit der Aufführung von Mozarts Krönungsmesse von 1779 mit ihrem festlichen Charakter, den prachtvolle Bläserklänge und mitreißende Melodien, anlässlich eines Pontifikalamtes in der Pfarrkirche St. Juliana, dem Erzbischof Stephan Burger vorstand, machte sich der örtliche Kirchenchor zu seinem 160-jährigen Bestehen selbst das größte Geschenk.
Erzbischof Stephan Burger zelebrierte in Malsch
Der Kirchenchor feierte 160-jähriges Bestehen
Schon in der Eröffnung des Gottesdienstes rief der Metropolit der Oberrheinischen Kirchenregion den Gläubigen zu: „Unsere Zeit liegt in Gottes Händen!“, zuvor war er wahrhaft feierlich zu „Ein Haus voll Glorie schauet“ mit den Ministranten und dem Leiter der kath. Kirchengemeinde Wiesloch, Pfarrer Bernhard Pawelzik, in die Kirche eingezogen.
Im majestätischen Kyrie, entfalteten Sopran-Solo (Angelika Jente) und Tenor-Solo (Soonil Kwon) opernhaften klänge unter Beteiligung von Trompeten, Hörner und Pauken des Orchesters an St. Juliana, bevor der Chor - unter der Leitung von Klaus Siefert - die Feierlichkeit des Werkes erst zaghaft dann überzeugend etablierte. Im Gloria glänzte der Jubiläumschor durchgehend, wobei es Siefert gelang einen harmonischen Wohlklang im Zusammenspiel mit dem Orchester zu entfalten. Neben den bereits kennengelernten Sopran- und Tenor-Solisten waren nun erstmals auch die Alt-Solistin (Jessica Schneider) und der Bass-Solist (Lennart Kost) im schnellen Dialog mit dem Chor eingewoben.
In seiner Festansprache blickte der Oberhirte des viergrößten Bistums zunächst auf die gesellschaftliche und politische Lage unserer Republik, die er als schwierig zwischen den beiden politischen Extremen und immer mühsamer errungenen Kompromissen, die immer schwererer akzeptiert werden würden, zeichnete. Auch der Glaube gerate immer mehr in die Defensive. Die Institution Kirche liege unter einem grauen Schleier von Missbrauchsskandal und gefühlter gesellschaftlicher Bevormundung der vergangenen Jahrzehnte, weshalb auch diese nicht mehr als gesellschaftlicher Kit tauge. Auch in den anderen monotheistischen und abrahamitischen Weltreligionen, dem Judentum und dem Islam, stünden stets unter dem Verdacht des Extremismus, laut den Wahlprogrammen extremistischen Parteien, die immer mehr Zulauf fänden. „Ich sage ihnen: Die Gottes- und Nächstenliebe ist der zentrale Gedanke des heutigen Evangeliums, die in abgewandelter Form auch für das Judentum und den Islam gelten! Als Christen bleibt es uns aufgetragen an dieser Gottes- und Nächstenliebe festzuhalten. Dies ist ein Auftrag, von dem wir uns nicht distanzieren können und in dessen Umsetzung wir Jesus Christus immer wieder aufs Neue wahrhaft begegnen.“
Exemplarisch blickte Burger, der auch deutscher Misereor-Bischof ist auf die Hungersnot durch den Bürgerkrieg im Südsudan. In den dortigen Flüchtlingslagern würden die Menschen im Glauben der Hoffnung leben trotz aller Not, so seine persönliche Erfahrung. So stelle sich ihm allerdings die Frage, ob wir in der westlichen Welt zu träge und satt geworden seien, die Freude des Evangeliums zu leben und zu verkünden. Die Chorgemeinschaft in Malsch sei ein gelebtes Gegenbeispiel, die sich im Miteinander zum Lobe Gottes vereine, um Leben, Freud und Leid wöchentlich miteinander zu teilen. „Ihre vielen Stimmen vereinen sich zur Größe Gottes“, wandte sich Bischof Stephan direkt an die Sängerinnen und Sänger des Chores: „Sie tragen und teilen ihren Glauben an Jesus Christus gemeinsam zur seelischen Erbauung und Erhebung. Mit ihrem Gesang schaffen sie eine Atmosphäre des Glaubens, bei der der Verstand zurücktreten darf und das Herz aufgehen kann. Danke für dieses Zeugnis, welches sie seit 160 Jahren hier in Malsch geben, ganz ähnlich wie in den Zeltkirchen der Lager im Südsudan. Wenn Gott erfahren werden kann, geht es global und lokal um ein erfahrbares Miteinander!“
Im Credo setzten die Solostimmen nacheinander ein und verschmolzen zu einem innigen Quartett. Zu den Fürbitten brillierten die jüngsten Ministranten im Vortrag genauso wie der Chor in der Resonanz „Erhöre und Christus: Erhöre uns!“ Beginnend mit einem unerwarteten Paukenschlag wurde das monumentale und feierliche Sanctus komplett vom Chor getragen, wobei die Streicher, Trompeten und Hörner den hymnischen Lobpreis untermalten. Das sich sofort anschließende Benedictus war geprägt von den Soli für Sopran, Alt, Tenor und Bass bevor zum „Osanna“ der Chor wiederholend im schnellen Allegro einstimmte. Das festliche Kyrie würde im Agnus Dei mit dem bekannten Sopran-Solo wieder aufgegriffen.
Während der Kommunion ging den Zuhörern wie dem interpretierenden Malscher Vokalensemble selbst das Herz zu Mozarts „Ave verum corpus“ auf. Danach stimmte es gemeinsam mit Solisten und Chor Haydns „Die Himmel erzählen“ an, um sich förmlich in Rage zu einem ersten Höhepunkt zu singen. Dies gipfelte anschließend im Hymnus „Te Deum laudamus“, dem „Großen Gott wir loben dich“, welcher Gemeinde, Chor, Solisten und Orchester gemeinsam mit Bernhard Reiß an der Orgel feierlich darboten.
Benjamin Starke



