Gerüste? Noch nicht. Erst noch einmal Gottesdienst zur Kerwe in St. Cyriak
Kerwe 2. Fest des Jahres in Dielheim
Dielheimer Kerwe verbindet Tradition, Gemeinschaft und Geselligkeit
Traditionen zu bewahren und gleichzeitig mit Leben zu füllen, ist heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso stolzer können die Dielheimer auf ihre Kerwe sein. Sie ist weit mehr als ein dreitägiges Fest: Sie ist ein Stück gelebte Dorfgemeinschaft und gehört zu den Höhepunkten des Jahres.
Zwei feste Säulen verleihen der Dielheimer Kerwe dabei ihren besonderen Charakter. Allen voran steht das Kerwekomitee, dessen Mitglieder Verantwortung in den unterschiedlichsten Vereinen und Gruppen übernehmen. Hinzu kommen die HAKO-Fahrer, die mit ihrer traditionellen Weckruf-Fahrt ab „12 Uhr mittags“ am Kerwe-Samstag für Stimmung sorgten und bei ihrer Rundfahrt durch Dielheim viel Kerwevorfreude im Dorf verbreiten.
Offizieller Start auf dem Dorfplatz
Der erste große Höhepunkt folgte am Samstagabend mit der offiziellen Kerweeröffnung auf dem Dorfplatz. Bürgermeister Thomas Glasbrenner begrüßte die Kerwegäste aus Nah und Fern. Besonders weit angereist war eine Delegation aus der ungarischen Partnerstadt Lengyeltóti – immerhin rund 1300 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Die Gäste aus Ungarn sind inzwischen ein gern gesehenr fester Bestandteil der 'dielemer' Kerwe.
Bevor Glasbrenner für die drei Kerwetage „abdankte“, richtete er noch einige Worte an das Kerwevolk. Dabei brachte er auf den Punkt, was die Kerwe für viele Dielheimer ausmacht: „An Kerwe trifft man Menschen, die schon lange weggezogen sind, aber an den Tagen sind sie alle wieder da“.
Sein Dank galt allen, die dazu beitragen, dass die Kerwe Jahr für Jahr stattfinden kann – von der Gemeindeverwaltung bis hin zu den zahlreichen ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern in den Vereinen. Ebenso würdigte er die Anwohner, die während der Festtage persönliche Einschränkungen in Kauf nehmen und damit ihren Teil zum Gelingen der Kerwe beitragen.
Anschließend wurde Nico Wagenblaß zum Kerwebürgermeister gewählt. Von der Sängerrunde kommend, wurde „Choryfelia Ill.“ als Kerweschlumpel „auf die Welt gebracht“.
Die Taufe übernahm Kerwepfarrer „Benno“ Greulich. Danach schworen die Damen und Herren in Frack und Zylinder der „Neubürgerin“ die Treue – sehr zur Freude ihrer Patin Karin Trump.
Mit Spannung wurde anschließend die Kerwe-Rede von Nico Wagenblass erwartet.
Im Anschluss an Wahl und Taufe wurde Gratis-Wein von der Gemeinde ausgeschenkt und dazu
passenden frischen Brezeln gestiftete vom „Achtelbäcker“ (Bäckerei Laier). Hierfür ein herzliches Vergelt's Gott.
„Baustellen“-Gottesdienst zum Kerwesonntag
Mit einem besonderen Gottesdienst begann der Kerwesonntag. In der bereits fast vollständig ausgeräumten Kirche fand der „Baustellen“-Gottesdienst statt – tatsächlich die letzte Messe vor dem Beginn der anstehenden Bauarbeiten.
Pfarrer Grammetbauer hatte eine große Zahl von Ministranten um sich versammelt. In die Gebete wurden auch die Verstorbenen des Kerwe-Komitees eingeschlossen.
Nach dem Gottesdienst wurde die Statue des „Heiligen Cyriak“ als letztes Relikt aus der Kirche ins Amtszimmer von Bürgermeister Thomas Glasbrenner gebracht. Bei ihm ist unser Schutzpatron in guten
Händen. Wie lange er dort bleiben muss, darüber hatte ein „Scherzkeks“ bereits eine eigene Vorstellung: bis der Umbau hoffentlich unfallfrei beendet ist – oder bis die Renovierung bezahlt wurde.
Ein Abschied mit großem Feuerwerk
Am Montagabend nahm die Kerwe schließlich eine unerwartete und emotionale Wendung. Die Hiobsbotschaft verbreitete sich unter den Kerwegästen: „Der Schlumpel geht es sehr schlecht“.
Das Kerwekomitee wurde umgehend herbeigerufen und ein „richtiger“ Doktor konsultiert. Dr. Manfred Laier war schnell vor Ort – wohlwissend, dass es kaum die Zähne betreffen konnte. Bei der Voruntersuchung bestand zunächst noch keine Lebensgefahr. Doch dann ging alles sehr schnell. Trotz gelegter Infusionen war eine Rettung nicht mehr möglich.
Tränenreich und mit viel Wehklagen hieß es Abschied zu nehmen. Die Anteilnahme der Bevölkerung war riesengroß, als die Schlumpel schließlich den Flammen übergeben wurde.
Doch auch dieser Abschied gehörte zur Dielheimer Kerwe. Noch einmal wurden Himmel und Kirchturm hell erleuchtet. Dafür sorgte ein großes Feuerwerk, das vom Vergnügungsbetrieb Lowinger gesponsert wurde.
Anschließend wurde weitergefeiert. Erst um Mitternacht ging eine Kerwe zu Ende, die einmal mehr gezeigt hat, was sie für Dielheim bedeutet: Tradition, Begegnung, Zusammenhalt und vor allem ganz viel Gemeinschaft.