Pilgern nach Rom: Von Delémont nach Biel

28.04.2026 |

Thomas Walter und seine zwei Begleiter teilen ihre Eindrücke von der sechsten Pilger-Etappe nach Rom. Von Delémont in der Schweiz ging es weiter nach Süden zum Bieler See.

Tagesbericht, 6. April 2026
 
Bei herrlichem Wetter machten sich drei Pilger auf weitere Etappen nach Rom. Nach der Ankunft in Delémont und dem Finden eines kostenlosen Parkplatzes im Wohngebiet, begann die Woche. 112 km lagen vor uns, mit unzähligen Höhenmetern. Auf und Ab. Wie im richtigen Leben. So kreisten die inhaltlichen Impulse dieses Tages um die persönlichen Aufbrüche des Lebens, welchen in Schweigezeiten nachgegangen wurde. Nach einer sehr anspruchsvollen Strecke von rund 25 km wurde die Ferienwohnung erreicht. Das erste Nachtlager. Gemeinsam wurde gekocht und nach einem kurzen geselligen Teil endete der
Abend, recht früh, mit dem Abendgebet.
 
Tagesbericht, 07. April 2026
 
„Herr Jesus Christus, erbarm dich meiner! Ich will mich, so wie ich bin!“
 
Mit diesem kurzen Gebet als Tagesmotto machten wir uns am 2. Tag nach dem gemeinsamen Frühstück und einem netten Gespräch mit unserem Herbergsvater von unserer Unterkunft in Corcelles auf unseren Weg zum Etappenziel Perrefitte. Nach knapp 2-3 Kilometern wurden wir bei schönstem Wetter mit einem Impuls zum Thema „Bewusst JA sagen zu mir: Ich will mich, so wie ich bin!“ auf die weitere Strecke geschickt.  Auf dem heutigen Weg erwartete uns nicht nur Sonnenschein, wunderbare Aussichten, tolle Gespräche, sondern auch große Herausforderungen mit steilen Auf- und Abstiegen, Felsformationen, die es zu überwinden galt und teils rutschige Wege. Nach dem Impuls am Mittag sind wir drei tapferen Pilger wieder in eine Zeit des Schweigens gegangen, in der wir uns Gedanken zu den Impulsen und über uns selbst machen konnten. Gegen 17.30 Uhr kamen wir müde und ziemlich durchgeschwitzt zu unserer Unterkunft in Perrefitte. Den Abend haben wir mit einem sehr guten Essen und dem Abendgebet ausklingen lassen.
 
 
Tagesbericht, 08. April 2026
 
Dritte Etappe unserer Pilgerreise nach Rom unter dem Titel und Motto „Loslassen“ am 8. April 2026. Die Strecke führte von Perrefitte nach Bellelay. Geplant waren 16 Kilometer, am Ende wurden es tatsächlich 22,5 Kilometer. Bei zunehmender Hitze war das eine besondere Herausforderung. Vor allem die 700 Höhenmeter, die wir im Laufe des Tages bewältigten, aber auch die schwierigen Abstiege machten mir zu schaffen. Gerade Letztere fielen wegen der Einschränkungen an meinen Füßen deutlich schwerer aus als gedacht.
 
Der innere Leitstern dieses Tages war nicht nur durch die Impulse zum bewussten Wahrnehmen des Körpers geprägt, sondern vor allem durch die stetige Auseinandersetzung mit den Schmerzen in meinen Füßen. Diese Schmerzen hielten mich immer wieder davon ab, tiefer wahrzunehmen, wie es mir innerlich eigentlich ging. Trotzdem gelang es mir, mich mit Worten von Mascha Kaléko auseinanderzusetzen. Sie fordert uns dazu auf, uns daran zu erinnern, dass uns oft gerade die naheliegenden Dinge schwerer fallen als die weit entfernten, obwohl es eigentlich umgekehrt sein müsste.
 
Das war für mich eine starke Motivation, zuerst die kleinen Dinge anzugehen, bevor man sich den großen zuwendet.
 
Und doch fehlt oft der eigene Impuls, dieses Momentum, um genau das zu tun. So blieb der Gedanke: Selbst das Unmögliche ist mir schon gelungen, aber das Mögliche schaffe ich oft nicht. Diesen Widerspruch stärker zu verinnerlichen, umzudrehen und für mich fruchtbar zu machen, war das, was uns am Morgen begleitete.
 
Ab dem Mittag ging es dann darum, dem Tagesmotto entsprechend wirklich loslassen zu können: den Tag an Gott abzugeben, Freiheit zuzulassen, Lasten und Sünden loszulassen und dadurch vielleicht auch einen neuen Zugang zu sich selbst zu finden. Es ging darum, sich bewusst zu machen, dass es Situationen gibt, in denen man abgeben muss, anstatt den eigenen Ballast immer weiter mit sich herumzutragen.
 
Diese Freiheit des Abgebens bedeutet für mich jedoch nicht, Probleme einfach nach außen zu verlagern. Es geht vielmehr darum, das Abgeben als etwas Eigenes zu verstehen: von sich selbst ausgehend und im Vertrauen auf Gott mit den Problemen umzugehen, die vor einem liegen oder bereits da sind.
Hinzu kam schließlich die Ankunft an einem Ort, der auf mich verlassen und beinahe seelenlos wirkte. Es war ein Ort, der sich um eine Abtei herum entwickelt hatte. Die christliche Geschichte dieses Ortes war spürbar, und doch machte sie mich auch traurig, weil dort kein wirklich lebendiges klösterliches Leben mehr zu finden war.
 
Den Abend verbrachte ich dann in schöner Gemeinschaft mit den Mitpilgern. Ich war dankbar für den Austausch und für die Erfahrungen, die man mit Gleichgesinnten teilen kann.
 
Tagesbericht, 09. April 2026
 
„Jesus ist auferstanden“ – Lukas 24,1-12 Neue Genfer Übersetzung
 
Unter diesem Bibeltext stand unsere Tagesetappe von Bellelay nach Sonceboz. Die heutigen 12-13 Kilometer führten uns schon zu Beginn durch ein schönes und vor allem kühles Hochmoor, das wir über einen Holzsteg durchquert haben. Danach ging es für uns dieses Mal auf einem angenehmen und leichteren Weg mit nur wenigen Höhenmetern durch urbanes Gebiet über unzählige Kuhweiden, durch grüne Täler und typisch Schweizer Dörfern Richtung Unterkunft. Unsere Mittagspause verbrachten wir an der Dorfkirche in Tavannes. Mit dem Impuls von Anselm Grün „Ostern – eine Erfahrung der Freiheit. Wir können spüren, was es heißt: alle Fesseln der Angst und der inneren Hemmungen abzulegen, aufzustehen und selbst zu leben“ wurden wir wieder in eine Zeit des Schweigens gebracht.  Der restliche Weg führte uns durch ganz besondere Felsformationen und herrliche Wälder und moderner Technik in Form einer Trinkwasserversorgungsanlage direkt nach Sonceboz. Bevor wir in unserer Herberge eincheckten, gönnten wir uns noch ein Kaltgetränk bzw. einen leckeren Kaffee. Mit dem letzten gemeinsamen Abendessen mit reichlich Nachschlag und dem Abendgebet ließen wir den Abend ausklingen.
Tagesbericht, 10. April 2026
 
Die Osterzeit, als Zeit der Erneuerung prägte den letzten Tag der Pilgerstrecke nach Biel. Das Alte, das Verbrauchte hinter sich zu lassen und neu durchstarten – so wie die Natur! Das war der Impuls der uns durch ein wunderschönes Tal führte. Nach kurzzeitiger Begleitung durch eine junge Hündin – Gott sei Dank das Herrchen kam dann irgendwann auch dazu, ginge in leichtem, erfrischendem Regen nochmal steil bergauf. Nach 700 m Aufstieg folgten 900 m Abstieg in Tal nach Biel. Gedanklich und im Schweigen beschäftigten wir uns mit dem Gedanken was in uns wachsen will – im Rhythmus unsere Seele. Noch einmal übten wir uns im Gebet nach unserem Atem.
 
Angekommen in Biel erfreuten wir uns an der wunderschönen Altstadt und machten Pause am See. Die (pünktliche) Schweizer Bahn brachte uns zurück nach Delémont und nach der erfolgreichen Suche nach unserem Auto, ging die Fahrt zurück in die Heimat. Etwas müde und erschöpft, aber doch innerlich gestärkt kamen wir wieder zuhause an.
 
Wir freuen uns auf das nächste Jahr und sind gespannt, von wo aus wir weiterziehen dürfen – in Richtung Rom.
 
Unseren Nachfolgern von Biel aus wünschen wir gute Pilgererfahrungen. Weiter geht´s, immer weiter – bis nach Rom.
 
Text und Bilder: Drei Pilger