Auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela

17.06.2026 |

Am 9.5. klingelte der Wecker bei 14 PilgerInnen gegen 5 Uhr, da der Zug um 6.19 Uhr Richtung Lausanne vom Bahnhof Wiesloch startete.

11 Frauen und 3 Männer aus unserer Kirchengemeinde unter Leitung von Manfred Uhl machten sich auf, den vor etlichen Jahren in Würzburg begonnenen Weg über Ulm, Konstanz und Einsiedeln in Richtung Santiago de Compostela fortzusetzen. Die Rucksäcke waren aufgrund der erhaltenen Packliste nicht zu schwer und die Vorfreude war groß. Mit dabei war auch der Pilgerstab unserer Gemeinde auf seinem Weg nach Rom.

In Montpreveyres begann unsere 1. Etappe am frühen Nachmittag mit dem Pilgersegen und dem Aushändigen des Pilgerpasses und der Jakobsmuschel an die ‘Pilgerneulinge‘. Nach dem täglichen geistlichen Impuls unter dem Motto „Aufbruch“ und dem Ziehen eines individuellen Tagesspruches, ging es nun endlich los, zuerst schweigend den geistlichen Impuls reflektierend.
Das Wetter zeigte sich von der besten Seite, der Rucksack war schwer und der Weg zog sich. 
Doch wir wurden mit grandiosen Ausblicken auf den Genfer See und die schneebedeckten hohen Berge belohnt. In der schönen Kathedrale von Lausanne angekommen, bekamen wir unseren ersten Pilgerstempel. Wir versammelten uns um den Altar, ließen die Stimmung auf uns wirken und sangen zusammen Lieder. Es war ein sehr schönes und bewegendes Gefühl und spätestens hier wurden wir zur Gemeinschaft. 
 
Nach dem Abendessen gab es eine allabendliche Runde, in der jeder berichtete, wie er den Tag erlebt hatte und sich im Augenblick fühle. Erschöpft fielen wir in die Betten.
Am zweiten Tag führte uns unser Weg auf der kürzesten Etappe (16,5 km) immer am Genfer See entlang nach Morges. Begleitet durch den geistlichen Impuls ‘Unterwegssein‘, dem individuellen Tagesspruch, Stille beim Gehen und auch guten Gesprächen bei weiterhin gutem Wetter verging der Tag wie im Flug.
Am dritten Tag stand die längste Etappe auf dem Programm (24,5km). Der geistliche Impuls hatte den Titel ‘Begegnung‘ und knüpfte an den Emmaus-Gang der Jünger und deren Begegnung mit Jesus an. Der Körper hatte sich an den Rucksack gewöhnt und in Gemeinschaft stützt ein jeder den anderen. Auf dem Weg entdeckten wir ein Schild und es waren nur noch 1962 km nach Santiago! Das Wetter war kälter und regnerischer geworden, aber wir kamen noch trockenen Fußes an.
Am nächsten Morgen ging es nach dem geistlichen Impuls ‘Wegkreuzungen: Entscheidungen‘ auf die Etappe nach Château de Bosssey, welches vom Weltkirchenrat als Ort der Ökumene ausgestaltet ist. Der Weg führte immer am See entlang, die berühmte Fontäne von Genf war immer wieder gut zu sehen. Am Abend besuchten einige von uns eine Messe in der Kapelle des Chateaus. Sie wurde von einem katholischen Priester aus Rumänien auf Englisch für uns und eine aus aller Welt stammende Gruppe von evangelischen Christen zelebriert – Ökumene pur.

Am nächsten Morgen machten wir uns schweigend mit dem Impuls ‘Umwege und Stolpersteine‘ auf den Weg nach Genf, dem Endpunkt des „Schweizerischen Jakobsweges“. Nach dem Impuls ‘Loslassen‘ am nächsten Morgen ging es nach Beaumont, der ersten Etappe des französischen Jakobsweges. Was ein Unterschied! Ab jetzt pilgerten wir unter dem Zeichen der Jakobsmuschel und der heilige Jakob begegnete uns mehrmals auf dem Weg. Das Wetter wurde immer schlechter, es wurde kalt und regnete und so lernten wir die Kirchen als Zufluchtsorte vor Kälte und Nässe kennen. Wir dankten es mit Andacht und Liedern und erreichten Beaumont nass, aber zufrieden.
Der geistliche Impuls ‘Beschenkt werden, Danken‘ läutete die letzte große diesjährige Etappe mit etlichen Höhenmetern nach Chaumont ein, wieder bei Regen, Graupel, Kälte und manchmal auch ein bisschen Sonnenschein. Hier erwartete uns die erste richtige Pilgerunterkunft (Gîte) mit einem 12er Stockbetten-Schlafsaal für die Frauen und einem Aufenthaltsraum für das Abendessen. Wir erlebten einen sehr schönen Abend und ließen die Etappen Revue passieren.
145 km waren hinter uns, viele gute Gespräche, aber auch viel Zeit zur Besinnung und Reflexion. Am nächsten Morgen waren dann noch gerade einmal 4 km immer bergab nach zu gehen, mit dem letzten geistlichen Impuls ‘Ankommen am Zwischenziel‘. Dann begann die Heimreise, gegen 22 Uhr kamen wir wieder wohlbehalten in Wiesloch-Walldorf an und verabschiedeten uns voneinander.
Wir freuen uns auf das vereinbarte Nachtreffen und sind heute schon in Erwartung der nächsten Etappen auf unserem Weg nach Santiago de Compostela im nächsten Jahr!