Wie kam ich zum ehrenamtlichen Engagement?

Wenn ich darüber nachdenke, liegen die Wurzeln für mein Engagement in meiner Jugend, in der ich nach einem Umzug meiner Familie in eine Jugendgruppe eingeladen wurde, später ganz natürlich selbst eine Gruppe geleitet habe und in dieser Funktion auch mit in Zeltlager gefahren bin. So bin ich zum Zivildienst in meiner eigenen Pfarrei gekommen, in der durch die im Bistum Limburg vorgeschriebenen Fortbildungen mein Interesse an Kommunikationstheorie geweckt wurde, das mir bis heute geblieben ist. Im Studium schließlich bin ich im 3. Semester in der Hochschulgemeinde gelandet, weil die ein Besinnungswochenende im Advent anbot, das mir wichtig war, weil für mich im 1. Semester die Adventszeit vor lauter Lernen für Klausuren bis zum Samstag vor Weihnachten quasi ausgefallen war. Diese Hochschulgemeinde erwies sich ebenfalls als ein Ort, an dem zu ganz nebenbei meine Fähigkeiten zur Präsentation, zum Gestalten und zum Argumentieren geübt wurden – und interessanterweise waren es genau diese „Soft Skills“, die mir im Beruf fast mehr geholfen haben als meine fachliche Ausbildung. Da lag es nahe, der Kirche etwas zurückgeben zu wollen.
Wie fing es in der Pfarrei an?
Die erste Initiative war, gemeinsam mit meiner Frau bei der Firmvorbereitung mitzumachen, nicht zuletzt weil ich das Konzept so viel besser fand als meine eigene Vorbereitung auf die Firmung, bei der es in ein paar Stunden Religionsunterricht vor allem um die Frage ging, woran wir den Bischof erkennen, und bei der die Religionslehrer für je 10 bis 20 Jugendliche als Firmpaten fungierten.
Als ich später gefragt wurde, ob ich für den Pfarrgemeinderat kandidieren würde, habe ich zugesagt, wenn auch mit der Einschränkung, dass ich nicht allzu viel Zeit aufbringen könnte. Doch die Protokolle schreiben konnte ich (mit dem Laptop schon während der Sitzung), was mich sofort zum Schriftführer machte. Und natürlich war auch Zeit, als Lektor und Kommunionhelfer Dienste zu übernehmen und bei Festen mitzuhelfen.
Weil ich mir sicher war, dass Ehrenamtliche künftig mehr Verantwortung übernehmen müssten, wollte ich auch fundiert mitreden können. Deshalb habe ich nacheinander die Angebote der Diözese zu Fortbildungen genutzt: Theologischer Kurs, Pastoralkurs, Liturgiekurs und später gemeinsam mit meiner Frau die Ausbildung in Geistlicher Begleitung als Voraussetzung, um Exerzitien im Alltag anbieten zu können.
Der Vorruhestand als beschleunigender Faktor
Als ich mit 58 Jahren die unvermutete Gelegenheit zum Vorruhestand bekam, war ich auf einmal in der Lage, mehr Engagement anbieten zu können. Zufälligerweise wollte zum gleichen Zeitpunkt die damalige Vorsitzende des Dekanatsrats ihr Amt aufgeben und ich wurde tatsächlich als ihr Nachfolger gewählt. Damit wurde ich auch erstmals Mitglied im Diözesanrat und dort sogar als einer der vier stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Eines gab das andere: Natürlich interessierte ich mich für den Prozess der Kirchenentwicklung 2030 und meldete mich für den entsprechenden Ausschuss des Diözesanrats; und durch meine konfessionsverbindende Ehe war ich auch gerne bereit, in der Ökumene-Kommission mitzuarbeiten. Das alles sind Engagements, durch die ich immer wieder Informationen bekomme, die ich vor Ort gerne weitergebe, und bei denen ich umgekehrt die vor Ort gemachten Erfahrungen einbringe – nicht immer, aber immer mal wieder erfolgreich.
Ein außerkirchliches Engagement, das durch meinen Vorruhestand möglich wurde, war die Beteiligung in der Leitungsgruppe des Projekts „Mehrgenerationen-Wohnhaus“ in Walldorf. Dabei habe ich unter anderem viel darüber gelernt, wie man in Gruppen zu guten gemeinsamen Entscheidungen gelangen kann – und das war hilfreich für meine Arbeit in gemeinsamen Entscheidungsgremium aller Pfarrgemeinderäte vor Errichtung der neuen Pfarrei und ist es noch jetzt im neuen Pfarreirat.